Mit "Bewegen – Zukunftskunst und nachhaltige Mobilität" haben die Bergischen Klimagespräche am 10. und 11. Oktober 2019 in Wuppertal innovative Dialoge zwischen Wissenschaft und Kunst fortgesetzt. Eingeführt wurden die kreativen Dialoge 2018 mit dem Fokus der Bergischen Klimagespräche auf "Kunst und Transformation". Mit der Mobilitätswende wurde ein Thema ausgewählt, das aktuell in ganz Deutschland und weltweit heiß diskutiert wird. Die Mobilitätswende ist in "Die große Transformation. Die Kunst gesellschaftlichen Wandels" eine der Arenen für die gesellschaftlichen Wenden hin zu einer Nachhaltigen Entwicklung. Welche Rolle kann hierfür "Zukunftskunst" spielen, um die aktuelle Mobilitätsdebatte zu erweitern? Wie können Mobilitätsformen dabei neu erfahren werden, Ideen entstehen und für eine Wende fruchtbar gemacht werden?

 

Im Dialog mit Uwe Schneidewind entwickelte die Kuratorin und Dramaturgin Uta Atzpodien ein zweitägiges Format der Begegnung mit  einem vielseitigen Spektrum von 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus Mobilitätspraxis, -politik und -wissenschaft und aus verschiedenen künstlerischen Sparten. Das Bewegen als Grundimpuls künstlerischen Schaffens und Wirkens, sei es im Tanz, Musik, Theater, Malerei, Film, Performance oder Literatur, traf auf die aktuellen Facetten der Mobilität und der gesellschaftlichen Mobilitätswende vor Ort in Wuppertal. Grundlagen waren eingebrachte Thesen der Teilnehmenden für ein Wuppertaler Bewegungsmanifest, Beispiele für künstlerische Interventionen, das Leitbild des Bündnisses "Mobiles Wuppertal" und erfahrungsintensive Mobilitätstouren zu Fuß, mit dem Lastenrad, dem ÖPNV und dem Elektroauto durch Wuppertal. Inputs zu dem "Solidarischen Bürgerticket" oder der zukünftigen Fahrradstraße Neue Friedrichstrasse gehörten dazu. Am Donnerstagsabend wurden die vielseitigen Mobilitätserfahrungen des Tages, auch via Rollstuhl, nichtsehend mit verbundenen Augen oder Barfuß, zusammengetragen und freitags über einen OPEN SPACE zusammen mit Leitbild und Thesen als Grundlage für fünf kreative Themenwerkstätten für das Bewegungsmanifest genutzt.

Künstlerisch startete der erste Tag der Bergischen Klimagesprächen in der CityKirche mit einem Körper- und Bewegungstraining des Choreographen Mark Sieczkarek, begleitet von dem Tänzer Gabriel Soto-Eschebach. Am Donnerstagabend im Café Ada lud der Percussionist Uwe Fischer-Rosier mit seinem Workshop "Bewegte Klänge – Klänge, die bewegen" zu Musikerfahrungen über Gongs in verschiedenen Größen ein. Am Freitagmorgen in der CityKirche verbanden die Chorleiterin Hilde Kuhlmann und der Tänzer Gabriel Soto-Eschebach Singen und Töne mit Bewegungen und Begegnungen. Mittags zog ein von Monty Pythons "Silly Walk" inspirierter "Funny Walk" der Teilnehmenden durch die Fußgängerzone der Elberfelder Innenstadt, orientiert von den Tänzern Mark Sieczkarek und Gabriel Soto-Eschebach.

 

Aus den fünf kreativen Werkstätten entstand ein performatives Bewegungsmanifest, das am Freitagabend im Codeks, begleitet von dem Vibraphonspieler Matthias Goebel, aufgeführt wurde. Wie sieht die Raumverteilung und Flächengerechtigkeit im öffentlichen Raum aus? Welche Rolle spielen Verbote? In welchem Zusammenspiel stehen Deeskalation und Perspektivwechsel? Was braucht eine Mobilitätswende, damit Menschen sich in ihrer Bewegung miteinander verbinden? All dies wurde sinnlich, performativ und mit einigen spontan entstandenen kreativen Momenten zu einem gemeinsamen Mobilitätswende-Happening. Zum Abschluss der Bergischen Klimagespräche diskutierten, konzentriert in einer von Matthias Wanner moderierten Fish-Bowl, Zuschauerinnen, Zuschauer und Teilnehmende, was eine Mobilitätswende weiter braucht, was noch fehlt, wie Menschen erreicht und wie über künstlerische Prozesse die Stadt weiter angeregt und bewegt werden kann.

Wie geht es weiter? Ein filmischer Eindruck von Uwe Schorn zu den Bergischen Klimagesprächen 2019 wird entstehen. Verschiedene Artikel sind in Planung. Auch bei den Teilnehmenden werden die Erfahrungen der Bergischen Klimagespräche weitere Kreise ziehen. In Kooperation mit der Kunstszene in Wuppertal, mit Freies Netz Werk Kultur und dem Bündnis "Mobiles Wuppertal" wird erarbeitet, wie Inhalte des Bewegungsmanifests der Bergischen Klimagespräche 2019 weitergetragen und die innovativen Dialoge zwischen Nachhaltigkeitswissenschaft, -praxis und Kunst weitergeführt werden können.